Mein Vorher-Nachher: Vom Jojo-Effekt zur dauerhaften Gewichtsreduktion

Ein Erfahrungsbericht über jahrelange Gewichtsschwankungen, viele gescheiterte Diäten – und wie ich es endlich geschafft habe, mein Gewicht dauerhaft zu reduzieren.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur die Zahlen auf der Waage, sondern vor allem ein emotionales Auf und Ab. Über Jahre hinweg war mein Leben geprägt vom sogenannten Jojo-Effekt. Abnehmen, zunehmen, wieder abnehmen – immer begleitet von Hoffnung und Frust, Euphorie und Resignation. Erst als ich begriff, dass ich mein Denken verändern musste – nicht nur mein Essen – begann sich alles zu wenden.

Der Beginn meiner Abnehmreise: Zwischen Hoffnung und Selbstzweifeln

Meine erste Diät machte ich mit 17. Damals wollte ich einfach ein paar Kilo für den Sommer loswerden. Ich hungerte mich auf 55 Kilo bei 1,68 m – und war stolz. Doch nach dem Urlaub fielen die alten Muster zurück in mein Leben wie ein ungebetener Gast. Ich aß wieder wie vorher. Das Ergebnis: die Kilos kamen zurück. Und mit ihnen das schlechte Gewissen.

In den folgenden Jahren probierte ich alles: Low Carb, Trennkost, Diätpillen, FDH, Saftkuren. Ich kaufte Ratgeber, abonnierte Diät-Newsletter, führte penibel Ernährungstagebücher. Manches half kurzfristig, manches ließ mich sogar schnell Gewicht verlieren. Aber nichts hielt. Immer wieder das gleiche Spiel: radikale Umstellung, eiserne Disziplin, schnelle Erfolge – und dann der Rückfall.

Ich fühlte mich zunehmend erschöpft. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Ich war genervt von mir selbst, enttäuscht, dass ich „es einfach nicht hinkriegte“. Ich verglich mich mit anderen, beneidete jede schlanke Frau im Bus, jede Freundin, die scheinbar mühelos essen konnte, was sie wollte. Ich dagegen dachte ständig ans Essen – oder an die Kalorien, die ich nicht essen durfte.

Der Jojo-Effekt: Wenn der Körper streikt – und die Seele leidet

Ich begriff lange nicht, was da eigentlich in mir passierte. Ich fühlte mich wie ein Versager, weil ich mein Gewicht nicht halten konnte. Was ich nicht verstand: Der Körper kämpft gegen schnellen Gewichtsverlust. Er liebt Sicherheit, Stabilität – und speichert Energie für Notzeiten. Jede Crash-Diät machte mich letztlich dicker, weil sie meinen Stoffwechsel durcheinanderbrachte.

Das war nicht einfach nur Frust. Es war eine permanente innere Unruhe, die mich begleitete. Ich wachte morgens auf und fragte mich: Was darf ich heute essen? Wie kann ich das Frühstück ausgleichen? Wenn ich abends doch wieder schwach geworden war, schlief ich mit Schuldgefühlen ein. Der Jojo-Effekt war nicht nur eine Zahl auf der Waage – er war ein Kreislauf aus Selbstverurteilung, Verzicht, Zwang und Kontrollverlust.

Noch schlimmer war aber, was in meinem Kopf geschah. Ich verlor das Vertrauen in mich selbst. Ich konnte keine Chips mehr essen, ohne mich schuldig zu fühlen. Ich hatte das Gefühl, ständig auf Diät zu sein – und gleichzeitig ständig zu scheitern. Mein Selbstwert war an die Waage gekettet.

Der Wendepunkt: Warum ich innerlich zuerst abnehmen musste

Ich weiß noch genau, wann ich realisierte: So kann es nicht weitergehen. Ich saß im Auto, fuhr von der Arbeit nach Hause, und dachte: Ich will dieses Karussell verlassen. Für immer. Ich war müde vom Kämpfen, müde von Verboten, müde von Diäten.

Statt einer neuen Diät begann ich, mich mit meinem Essverhalten zu beschäftigen. Warum esse ich? Wann esse ich? Was esse ich? Und vor allem: Was fühle ich dabei?

Ich entdeckte viele Muster, die mir vorher gar nicht bewusst waren. Ich aß oft aus Langeweile. Oder aus Stress. Oder zur Belohnung. Ich aß selten, weil ich wirklich hungrig war. Diese Erkenntnis war wie ein Puzzlestück, das plötzlich alles veränderte.

Ich begann, meine Mahlzeiten achtsamer wahrzunehmen. Ich stellte mir Fragen wie: Brauche ich das gerade wirklich? Gibt es vielleicht ein anderes Bedürfnis in mir, das gerade nicht gestillt ist? Vielleicht brauche ich eine Pause. Oder Ruhe. Oder Nähe. Essen war zu oft mein Ersatz für vieles andere gewesen.

Dauerhafte Gewichtsreduktion braucht eine neue Haltung

Ich verabschiedete mich vom Denken in „gut“ und „schlecht“. Kein Lebensmittel war mehr verboten. Stattdessen fragte ich mich: Was tut mir gut? Was gibt mir Energie? Was schmeckt mir wirklich – und was esse ich nur aus Gewohnheit?

Ich begann, Mahlzeiten bewusster zu gestalten. Nicht perfekt, nicht nach Plan – sondern echt. Ich kochte öfter frisch, machte mir bunte Teller, kombinierte Genuss mit Sättigung. Ich erlaubte mir auch mal Schokolade – aber nicht als Belohnung, sondern als Teil meines Lebens.

Auch beim Einkaufen änderte ich mein Verhalten. Ich las Zutatenlisten, verglich Produkte, achtete nicht mehr nur auf „light“, sondern auf Nährstoffe. Ich probierte neue Lebensmittel aus, lernte neue Rezepte kennen und entdeckte sogar Freude am Kochen – etwas, das früher für mich nur Mittel zum Zweck war.

Gleichzeitig begann ich, mich zu bewegen. Nicht, um Kalorien zu verbrennen, sondern um meinen Körper wieder zu spüren. Ich ging spazieren, fuhr Fahrrad, probierte später sogar Krafttraining aus. Bewegung wurde keine Pflicht, sondern eine Wohltat.

Und ich spürte: Mein Körper war kein Gegner. Er war geduldig. Und er reagierte positiv, wenn ich ihn mit Freundlichkeit statt mit Druck behandelte.

Der größte Unterschied: Mein Umgang mit Rückschlägen

Früher war ein „Fehltritt“ wie ein Dammbruch. Ein Stück Torte bedeutete: „Jetzt ist eh alles egal.“ Heute weiß ich: Es gibt kein Scheitern, nur Entscheidungen. Und jede neue Mahlzeit ist eine neue Chance.

Ich lernte, Rückschläge als Teil des Prozesses zu sehen. Ich sprach mir gut zu, statt mich fertig zu machen. Ich feierte kleine Erfolge – wie die Hose, die wieder passt. Oder die Treppe, die ich nicht mehr keuchend hochgehe.

Wenn ich heute mal über die Stränge schlage, bleibe ich ruhig. Ich reflektiere, ob es ein Auslöser gab, aber ich schäme mich nicht mehr. Ich denke: „Morgen ist ein neuer Tag“ – und handle entsprechend. Dieser neue Umgang mit mir selbst hat alles verändert.

Mein Gewicht heute – und warum es nicht mehr im Mittelpunkt steht

Ich habe 24 Kilo abgenommen – und halte mein Gewicht seit über zwei Jahren. Aber das ist nicht das Wichtigste. Viel wichtiger ist: Ich habe Frieden geschlossen mit meinem Körper. Ich lebe nicht mehr in ständiger Angst vor dem Zunehmen. Ich vertraue mir selbst.

Ich stehe morgens auf und denke nicht mehr zuerst an Kalorien. Ich esse mit Freude, mit Achtsamkeit, mit Genuss. Ich weiß, wann ich genug habe, und ich weiß, dass Essen nicht meine Gefühle regulieren muss.

Ich trage Kleidung, in der ich mich wohlfühle – nicht, um jemandem zu gefallen, sondern um mir selbst zu gefallen. Ich gehe schwimmen, ohne mich zu verstecken. Ich genieße Restaurantbesuche, ohne mich zu geißeln. Mein Leben ist leichter geworden – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch.

Die 2 größten Veränderungen auf meinem Weg:

  • Meine Gedankenwelt: Ich bin nicht mehr im Kampfmodus. Ich begleite mich selbst mit Mitgefühl, statt mit Härte. Ich darf Fehler machen – und trotzdem weitermachen. Ich erkenne meine Bedürfnisse, ohne sie mit Essen zu überdecken. Und ich bin stolz darauf, wie viel ich gelernt habe – über Ernährung, über Psychologie, vor allem aber über mich.
  • Mein Alltag: Ich habe Routinen entwickelt, die mich tragen – statt mich zu belasten. Ich esse regelmäßig, bewege mich gern, schlafe besser, trinke mehr Wasser und nehme mir Zeit für mich. Mein Tagesablauf ist ruhiger geworden, mein Umgang mit Stress bewusster. All das macht den Unterschied.

Mein Rat an dich: Lass den Kampf los

Wenn du selbst im Jojo festhängst: Ich kenne das Gefühl. Und ich weiß, wie schwer es ist, zu vertrauen – sich selbst, dem Körper, dem Prozess. Aber genau das ist der Schlüssel.

Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht alles kontrollieren. Du darfst essen, was du liebst – und trotzdem abnehmen. Du darfst dich selbst mögen – auch wenn du dein Ziel noch nicht erreicht hast.

Fang nicht bei den Kalorien an. Fang bei deinem Denken an. Beobachte dich, lerne dich kennen. Sei ehrlich – aber auch liebevoll mit dir. Der Weg zur dauerhaften Veränderung beginnt mit Akzeptanz. Und mit der Entscheidung, dich selbst nicht mehr kleinzumachen.

Fazit: Vorher gehetzt – heute im Gleichgewicht

Früher drehte sich alles um Kilos, Kalorien, Kontrolle. Heute geht es um Lebensqualität, Energie und Selbstfürsorge. Ich bin noch immer auf meinem Weg – aber ich gehe ihn nicht mehr im Kreis. Sondern Schritt für Schritt, mit Vertrauen, Freude und Klarheit.

Und das Beste daran? Ich weiß, dass ich nie wieder zurückwill. Denn was ich heute lebe, ist kein Verzicht – es ist echte Freiheit.

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